Wenn die Reichweite gegen das Ziel spricht…?

Fährt man trotzdem dahin. Denn auch mit dem Stromer kann man unterwegs nachladen. Ja, nachLADEN, nicht tanken. Mittlerweile kann man eigentlich drauf losfahren und das Navi sagt einem dann schon, dass das Ziel nicht erreichbar ist und fragt, ob es nach einer Ladesäule auf dem Weg suchen soll. Nun habe ich aber ein Ziel, das ich locker erreichen kann, nur weiß die Zoe nicht, dass ich auch wieder zurück möchte. Dafür reicht meine Akku Kapazität und die damit verbundene Reichweite nicht aus. Da ist dann der User hinter dem Lenkrad gefragt. Gesagt, getan.

Aufgabe ist es, mit dem E-Auto nach Frankfurt zu düsen, irgendwo ins Zentrum zum Shoppen und dann natürlich auch wieder heim zu kommen, …mit der Zoe. 🙂

Man könnte nun mit weniger als 80 km/h über die Autobahn oder übers Land schlürfen, wahrscheinlich den Unmut der verbrennenden Autos als Verkehrshindernis auf sich ziehen, aber hin und auch wieder zurück kommen. Oder aber man nutzt die Möglichkeiten des E-Autos, hier speziell meiner Zoe Q210 aus, das Chamäleon Schnellladesystem mit bis zu 43 kW Ladeleistung.

Wenn man elektrisch unterwegs ist, ändert man sein Fahrverhalten. Ich meine jetzt nicht die Reichweite ständig im Blick zu behalten. Obwohl diese Anzeige um ein vielfaches genauer ist, als eine Verbrennertankanzeige. Nein, z.B. aufgrund der Rekuperationstechnik rast man nicht mehr auf eine Kreuzung oder Abzweigung zu, bremst im letzten Moment, und biegt dann ab oder hält an. Es wird nun wirklich vorausschauend gefahren, d.h. rechtzeitig vom Gas, äh, Strompedal gegangen, rekuperiert (Stromrückgewinnung) und dann im besten Fall ganz ohne Bremseinwirkung abgebogen. Genauso verhält es sich mit Tanken/Laden. Der Tank musste beim Verbrenner vor einer längeren Fahrt immer möglichst voll sein. Sowas setzt sich über Jahre im Kopf fest. Jupp, bei mir war das so.

Aber man muss manche Dinge, meistens Vorurteile gegenüber der E-Mobilität aus dem Denken heraus bekommen. Laden z.B., „…das dauert ja ewig, die ganze Nacht und am Morgen fehlt immer noch was.“ Ja, laden dauert länger als tanken, das ist unbestreitbar. Aber auch das gehört zur Bewusstseinsänderung. Dann nutze man doch die Ladezeit für was Sinnvolles. Hier ist es nun so, dass ein Supermarkt am Rande von Frankfurt Ladesäulen mit einer Ladeleistung von 43 kW zur Verfügung stellt. Dort angestöpselt, dann die Zeit genutzt und im Supermarkt eingekauft, hat man danach genug Strom aufgenommen, um ins Zentrum und später auch wieder heim zu kommen. Man lädt eben nicht immer komplett voll, sondern eben nur soweit, um die nächste Etappe zu meistern. Hier nach hause zu kommen, in einem anderen Fall auf einer längeren Reise zur nächsten Ladesäule zu kommen. In Zeiten von noch „geringen“ Reichweiten bei längeren Touren muss man das Tun und Handeln eben anpassen. Bin mir sicher, dass dieses Vorgehen in ein paar Jahren ein Schmunzeln hervorrufen wird: „…weißt du noch damals!“

Gedacht, gesagt, getan. Mit angezeigter Reichweite von 143 km ging es los. Tempomat wurde auf 100 km/h getackert und ab gings über den Highway Richtung Frankfurt. Ja, das ist die kleinste dreistellige Zahl, aber kann man mit Hundert Sachen ganz gut mitschwimmen. Beim LKW überholen, kommt der Pedal-To-The-Metal-Mode zum Einsatz und schwupps wird sich wieder rechts eingeordnet. Tiefenentspannt kommt man dann nach knapp 80 km in einer Stunde an. Richtig, ich finde das auch keinen schlechten Schnitt. Hat ja auch niemand gesagt, dass man elektrisch langsam unterwegs ist. Nein, aber verdammt sauber! 😉 Die Anzeige brachte noch Strom für weitere 54 km zum Vorschein.

Vorort konnte endlich mal an einer Schnellladesäule mit 43 kW Ladeleistung angestöpselt werden. Der Einkauf hat dann gemütliche 43 min gedauert. In der Zeit wurden dem Knubbelchen Saft für weitere 74 km eingeschaufelt, sodass ich dann mit 128 km wieder den Rückweg antreten konnte. Dieses mal den Tempomaten auf 110 km/h und die Welt flog nur so dahin, aber lautlos und ohne schlechtes ökologisches Gewissen ob der „überflüssigen“ Kilometer, denn der in Frankfurt geladenen Strom wurde per Solaranlage von der Sonne gestiftet. Ich hatte kurz im Supermarkt mal dran gedacht Reserve für die Rückfahrt mitzunehmen, habe es dann aber hängen gelassen…

Das ganze hat gezeigt, dass die Elektromobilität jetzt schon zu 100% nutzbar ist, wenn sich darauf einlässt. Man muss zwar evtl. öfters anhalten und laden, diese Ladeweile trägt aber extremst zu einer Entschleunigung bei, die ich schon mehrfach angesprochen habe und die in dieser schnelllebigen und hektischen Zeit umso wichtiger ist und wird.

 

…to be continued!

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